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Dichter . E/F . Wilhelm Edelmann



Zeichen der Zeit (Weihnacht 1899)

Wilhelm Edelmann

Am Himmel seh' ich Flammenzeichen,
Auf Erden wird es wunderlich.
Es wetterleuchtet; Wolken schleichen
Unheimlich und verbünden sich.

Wie ferne Donner dröhnen Klagen,
Und weit und weiter wird die Kluft.
Ein wirrer Knäuel dunkler Fragen
Durchschwirrt mit Sturmgebraus die Luft.

Es wanken Säulen, welche trugen
Den Bau mit stolzer Sicherheit.
Es knarrt und kracht in allen Fugen.
Mit Macht stürmt an die neue Zeit.

Es brodelt längst in dunklen Schlünden;
Schon zucken Flammen blutig rot,
Die Unheil und Verderben künden,
Die Boten sozialer Not.

Wann wird das Sturmsignal ertönen?
Der Ruf, der rings die Reihen schließt? -
Wann wogt der Strom von Blut und Thränen,
Der tropfenweis schon heute fließt? -

Doch horch! - ich höre Weihnachtslieder.
Die Menschheit lauscht dem süßen Klang.
Wer gab der Welt den Frieden wieder? -
Die Liebe, die den Haß bezwang.



Lyrik zu Weihnachten: "Zeichen der Zeit"






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