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Dichter . N . Ernst Ferdinand Neumann



Weihenacht

Ernst Ferdinand Neumann

Der engen Gassen lautes Jagen
Ließ ich zurück. In Frost erstarrt,
Daß laut mein Schritt am Boden knarrt,
Des Schnees Last die Bäume tragen.
Schon legt sich auf des Tages Dämmer
Ein trüber Hauch, zur Nacht geneigt;
Daß wie im Stillvergessen schweigt
Der Stadt sonst dröhnendes Gehämmer. -

Und unsichtbare Wunderhände bringen
Der Menschheit einen neuen Tag voll Licht,
Der durch die lange Dunkelheit nun bricht,
Mit der er kräftemutig mußte ringen! -
Er geht von Haus zu Haus mit seinem Werben,
Entzündet neu die Fackeln in der Nacht;
Und schlägt dabei mit seiner Gottesmacht
Den Haß, - den Menschenhaß in tausend Scherben! -

Und riesengroß seh ich vom Himmel steigen
Der Menschenliebe lichte Gottgestalt;
Wie sie mit nie bezwungener Gewalt
Dem herben Jammer will die Hände reichen.
Ich sehe wie vom hohen Wolkenfirne
Sie heute sich zur armen Erde neigt,
Und, während sie sich lächelnd niederbeugt -
Küßt sie dem Menschenleid - die bleiche Stirne ...



Advents Verse: "Weihenacht"






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