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Nun harret
die Erde
Dora Naumann
Nun harret die Erde im träumenden Schweigen
Entgegen der stillen geweiheten Nacht,
Tief drunten im Walde die Tannen sich neigen;
Hoch über den Wipfeln strahlt goldene Pracht.
Und Engelsgestalten sie schweben hernieder -
Da schimmert die Hütte, da glänzt das Gefild!
Sie künden die selige Wahrheit uns wieder:
Der Herr ist geboren - das Sehnen gestillt!
Ja, tönet nur wieder, ihr himmlischen Klänge,
Du Eden der Kindheit nimm wieder uns auf.
Wir beten, wir eilen aus finsterer Enge
Zum Lichte, zum liebenden Vater hinauf.
Er ruft uns - da strömet der Glanz uns entgegen;
Aus niedriger Krippe dringt himmlischer Schein.
Hier ruht unser Friede, hier quillet der Segen,
Hier winket Erlösung dem schuldigen Sein.
Doch können die Größe der Gabe wir fassen?
Spricht menschliche Weisheit nicht spottend darein?
Ruft Thorheit und Weltsinn nicht laut auf den Gassen,
Legt eigen Verdienst in die Krippe hinein?
O heilige Weihnacht, so schwebe hernieder,
Du Licht aus der Höhe, durchdringe die Welt -
Entflamme die müden, erkalteten Glieder,
Hilf, daß sich der Glaube dem Herzen gesellt.
Und tröste die Armen mit fröhlichem Hoffen,
Und sprich zu den Zagenden: "Fürchtet euch nicht.
Der Herr ist geboren - der Himmel ist offen:
Nun freue dich Erde im himmlischen Licht."
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