|
Großvater
als Weihnachtsmann am Telephon
Adolf Ey
Auf der Weihnachtsmärchenwiese
Stapft jetzt täglich unsre Liese.
Ihre großen Augen sehn
Nur noch Christkindflitter wehn,
Und sie späht in jede Ecke,
Hebt behutsam jede Decke,
Überall riechts schon nach Tann.
Kommt denn nicht der Weihnachtsmann?
Horch, mit welch besondrem Tone
Klingelts da am Telephone?
Schnell die Fußbank! Und das Ohr
Hält die Kleine an das Rohr,
Stottert: "Liese hier - und dorten?"
Und wie von des Himmels Pforten
Tönt es tief und feierlich:
"Kind, der Weihnachtsmann bin ich!"
O wie zittern da die Beinchen!
O wie knixt da unser Kleinchen,
Ruft verschämt, als hätte sie
Schon die Frage irgendwie
Von den Lippen ihm gelesen:
"Artig bin ich sehr gewesen!" -
"Gut, daß ich das hör, mein Kind!
Weiter muß ich wie der Wind.
Hab noch vieles zu besorgen,
Komme zu dir übermorgen.
Schluß!" - Ach Gott! wie da in Hast
Sie sich an das Köpfchen faßt!
Dieser Schrecken! Dieser Kummer!
"Ach, ich hab nach seiner Nummer
Nicht gefragt!" Sie klingelt an.
"Bitte, Fräulein, Weihnachtsmann!"
|