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Ein
Weihnachtsgruß in den Sachsenwald
Oskar Häring
(1893.)
Der Tag geht still zur Neige
In holdem Weihnachtsschein;
Die Nacht schlüpft durchs Gezweige
Und hüllt die Erde ein.
In Feld, auf Flur und Halde,
Im tiefen Sachsenwalde
Bricht nun die heil'ge Nacht herein.
Es bebt ein sanftes Klingen
Hernieder aufs Gefild:
Die Wintervöglein singen
Ihr Lied noch weich und mild.
Zur Weihnacht baut Kreuzschnabel
Sein Nest, der nach der Fabel
Als Christi lieber Vogel gilt.
Im Winter singt Zaunkönig
Sein helles Jubellied,
Das innig, wundertönig
Durch dunkle Wipfel zieht.
Tief in dem Flaum das Köpfchen,
Mit aufgeblähtem Kröpfchen
Schlüpft er gewandt durch Strauch und Ried.
Rotkehlchen auch und Meise
In Busch, in Dorn und Wald,
Sie singen dir die Weise
Ins Ohr mit Allgewalt:
Wie einst dein alter Kaiser,
Du Kühner, Großer, Weiser,
In Lieb' die Treue dir vergalt.
Du Bester von den Großen
Aus Deutschlands größter Zeit,
Gefeiert einst, - verstoßen
Und jetzt in Einsamkeit.
Nein, heiß geliebt, bewundert!
Im spätesten Jahrhundert
Macht noch dein Werk die Herzen weit.
Es geht durch alle Zonen
Wie goldner Märchentraum;
Wo ferne Deutsche wohnen
Verstreut im Erdenraum,
Da glühn dir alle Herzen
Als lichte Dankeskerzen:
Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum.
Der strahlt und steht in Schimmer
In Liebesrosenschein,
Und wirft dir in dein Zimmer
Das hellste Licht hinein.
Wenn hoch die Sterne funkeln,
Wird's dir im Wald,dem dunkeln,
Die schönste Weihnachtsfeier sein.
Nun ist im Deutschen Reiche,
In Hütte und Palast,
Des Herzens Schlag der gleiche:
Wie einst du ohne Rast,
In Drang, in Kampf und Sorgen
Das köstlichste geborgen:
Das Deutsche Reich geschaffen hast.-
Mir ist's zur Weihnachtsstunde
Als wenn die Liebe bebt,
Als ob aus jedem Munde
Ein Segenswunsch sich hebt,
Als ob dein teurer Namen
Leis' wie ein frommes Amen
Auf allen deutschen Lippen schwebt.
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