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Die Tanne
Johanna Dirnböck-Schulz
Tannenbaum, du ernster Mahner
An die Ewigkeit der Treu',
Warum klingt der Kindheit Jubel
Mir im Herzen wieder neu,
Wenn - selbst fern vom Heimatlande
Wo mir niemand grüßend winkt,
Nur ein einsam Tannenbäumlein
In der Sonne goldgrün blinkt? -
Hold in Sommerblüte prangend
Liegt die Welt in Duft und Glanz,
Kleine Waldesvögel singen
Zu der Mücken frohem Tanz.
Alles Duft und Sommerfreude,
Warme Lüfte wehen mild -
Da erblick' ich eine Tanne
Und verändert ist das Bild!
In der Heimat bin ich wieder,
In der Eltern trautem Haus,
Aus der Thüre enger Spalte
Blinkt schon Lichterschein heraus!
Und der Schein wird immer heller,
Plötzlich springt die Thüre auf:
Vor des Christbaums Strahlenbilde
Stockt der Kinderfüßchen Lauf!
Von der Tanne ernsten Zweigen
Strahlt der Kerzlein Gnadenlicht,
Um die dunklen Aestchen flirrend
Engelhaar sich schimmernd flicht.
Rothe Aepfel, goldne Nüsse,
Süße Kuchen - welche Pracht!
Nicht nur Augen, Mündlein, Wangen -
Selbst das Herz im Leibe lacht!
All die Bilder seh ich wieder
Kinderfroher Weihnachtszeit,
Das vermagst nur du, o Tanne,
Mit dem dunkeln Nadelkleid!
Denn mit deinen tausend Nadeln
Hast mit magischer Gewalt,
In der Seele festgeheftet
Du der Jugend Traumgestalt!
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