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Die
heilige Nacht
Ernst Heinrich Fischer
Seht dort das holde Kindelein,
Wo kam es her? Wes mag es sein?
Die Engel haben es gebracht
In stiller, heil'ger Weihenacht.
Es kam aus seines Vaters Schoß,
Im Kripplein lag es nackt und bloß;
Maria nahm es auf geschwind,
Das wundersüße Jesuskind.
Maria hält's in ihrem Arm,
Schaut's an mit Mutterblicken warm,
"Mein Kind," so spricht sie hoch erfreut,
"Sieh da, was dir der Engel beut."
"Die zarte Lilie, welche Pracht,
Mit Blättern, leuchtend wie Smaragd,
Es glänzt die Blüte, - siehst du nicht? -
So helle wie das Sonnenlicht."
"Im Silberkelche, - schau nur hin! -
Sechs güldne Fädchen blinken drin,
Streck aus die Hand, o Kindlein mein,
Nimm hin die Lilie, sie ist dein."
Das Kindlein hört's, doch abgewandt
Streckt's nach der Blume nicht die Hand,
Die Hand streckt's nach der Dornenkron,
Die reicht ihm Zachariä Sohn.
Es greift danach, wie weh es thut,
Die Dornen stechen bis aufs Blut;
Maria sieht's mit heißem Schmerz,
Ein Schwert dringt durch ihr Mutterherz.
Doch sehen's auch die Engelein
Und können nicht mehr schweigsam sein,
Sie preisen laut, sie beten an,
Was Gott an mir und dir gethan.
Denn siehe, mir und dir zugut
Vergießt dies Kindlein einst sein Blut,
Und seiner treuen Liebe Lohn
Wird sein die scharfe Dornenkron'.
Kommt alle her, kommt her und schaut
Den Weg, mit heil'gem Blut betaut,
Die Krippe und das Kreuz so nah,
Hier Bethlehem, dort Golgatha!
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