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Dichter . H . Oskar Häring



Das tote Schwesterlein

Oskar Häring

Die Weihnachtsglocken läuten.
Es deckt die Friedhofsruh'
Nun all die schneebestreuten
Grabstätten heimlich zu.

So liegt der Ort in Frieden
Weit außerhalb der Stadt,
Dort, wo der Tod hienieden
Die stille Herrschaft hat. -

Ein kleiner Totenhügel
Birgt großes Leid und Weh.
Der Wind regt seine Flügel
Und weht heran den Schnee.

Es tritt mit leichtem Schritte
Dem stillen Grabe nah,
Tannbäumchen in der Mitte,
Ein Kinderpärchen da.

Sie haben mit den Händen
Den Schnee vom Grab entfernt;
Dem Schwesterlein sie senden
Den Gruß, den sie gelernt.

Dann unter Weinen, Schmerzen
Entzünden sie am Baum
Die hellen Weihnachtskerzen
Als Schmuck am Grabessaum.

Und süße Zuckerspeise
An jedem Zweige ist,
Daß auf der Himmelsreise
Sie Schwesterlein nicht mißt.

Die Kleinen knieen nieder
In aller Sternenpracht,
Und lieblich hallt es wider,
Ihr Lied von heil'ger Nacht.



Weihnacht Dichtungen: "Das tote Schwesterlein"






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